Montag, 25. Juli 2011

BACK TO BLACK

Vielleicht darum wurde sie von den Medien - die ja Teil des Systems sind - gnadenlos gejagt und man hat sie immer wieder auf die Bühnen der Welt geschickt, damit sie sich dort unmöglich macht. Dass ihr Manager das zugelassen hat, wegen seinem Interesse den Job zu behalten, ist eine nicht ganz überzeugende Erklärung. Ich verstehe nicht, warum sie von Veranstaltern noch bis zuletzt immer wieder gebucht wurde, obwohl sie seit 2008 ständig desaströse Bühnenauftritte abgeliefert hat. Vielleicht weil das Publikum nur dann Geld zurück bekommt und Künstler ihre Gage nur dann zurückzahlen müssen, wenn sie gar nicht auftreten, selbst desaströse Auftritte fallen womöglich unter künstlerische Freiheit. Vielleicht erklärt sich auch daraus die unverständlich gute Laune von Amy und ihrer Band trotz katastrophaler Auftritte - verkauft wurde der Skandal, nicht mehr die Musik, und das Publikum wurde verarscht. Allerdings waren das zuletzt wohl keine Solokonzerte mehr, sondern Amy ein Act unter vielen anderen. Aber ich begreife nicht, ob und warum sie es in nüchternen Momenten oder in Gesprächen mit Eltern und Freunden nicht selber realisiert hat, dass ihre Auftritte musikalisch desaströs sind. Während des Auftritts unter Drogen / Psychopharmaka das nicht zu realisieren, ist nachvollziehbar, aber sie kann doch nicht ständig so drauf gewesen sein. Sie muss doch wohl mal halbwegs nüchterne Momente gehabt haben. Haben die Eltern drei Jahre lange immer wieder erfolglos versucht zu ihr durchzudringen? Über sowas erfährt man aus der Presse erstaunlich wenig bis nichts, obwohl die Eltern gerne mit den Medien gesprochen haben. Klar ist, dass die Tochter einer Apothekerin schon früh Psychopharmaka eingenommen hat (erwähnt werden Antidepressiva). Man kann sich vorstellen, dass die Mutter zu Hause einige Mittelchen herumliegen hatte und die junge Amy hat vielleicht irgendwann mal solche Pillen im Haus gefunden und ausprobiert (wir wollen mal nicht annehmen, dass die Mutter ihr das Zeug selber gegeben hat, um Amys schulische Leistungen zu steigern). Wer so früh schon mit dem Einnehmen einer kleinen Tablette jene Seelenzustände erreicht, für deren Erlangung einem natürlicher Weise und gemeinhin einiges abverlangt wird, der lernt damit wohl gleichzeitig Göttlichkeit und Teuflisches kennen. Göttlich, weil man sich damit gute Laune, Selbstvertrauen und scheinbare innere Stärke zaubern kann. Teuflisch, weil all diese Gefühle nicht aus einem selber kommen, sondern von der chemischen Industrie, von der man dadurch abhängig wird und kein eigenes Selbstvertrauen entwickeln kann ("I told you I was trouble, You know I'm no good"). Ich denke dass durch solche frühen und tiefgreifenden Erfahrungen einerseits eine gewisse Abgebrühtheit bzw Depressivität durch diese grundlegende Art der Lebenserfahrung resultiert, sowie auch eine gewisse Abhängigkeit von schnellen Lösungen, was man ja beides Amy zuschreibt und was wohl auch die Basis ihrer Einzigartigkeit als Singer und Songwriterin bildete. Bekannt ist auch, dass Antidepressiva die Suicid-Gefahr erhöhen. Die immer wieder bei Amy beobachtete Tendenz zur Selbstverletzung ist also vermutlich unter dem Einfluss von Antidepressiva passiert. Wer sich schonmal im Krankenhaus einer Operation unterziehen musste, kennt das sicher: Vor der Narkose bekommt man noch auf Station ein Tablette, welche einen in euphorische Stimmung versetzt - sogar das Herumgesteche mit diversen Nadeln und Kanülen im Narkoseraum wird einem scheissegal. Für diese Vermutung spricht auch, als Amy von Reportern auf ihre Selbstverletzungen angesprochen wurde, sie ziemlich perplex reagierte und darauf keine Antwort wusste - es war eben ein völlig fremder Zustand. Aber den Journalisten war eine solche Erklärung wohl zu einfach, es fehlt das Skandalpotenzial und die charakterliche Tragik - es ist einfach nur Chemie der Pharmaindustrie. Meiner Ansicht nach spricht mehr für eine Abhängigkeit Amys von Psychopharmaka, als von illegalen Drogen. Denn auch in England sind Heroin, Extasy, Kokain und Haschisch verboten und auch in England gibt es eine Polizei. Und wer prominent ist steht wohl besonders im Fokus. Aber gegen Psychopharmaka kann niemand einschreiten - die fallen unter das Arztgeheimnis. Also wenn kolportiert wird, sie habe sich noch am Vorabend ihres Todes bei einem Dealer mit einem ganzen Sortiment illegaler Drogen eingedeckt, ist das schwer zu glauben und wohl eher miese Propaganda um die Pharmaindustrie reinzuwaschen. Aber warum wird in den Medien nur von einer Drogenabhängigkeit Amys gesprochen, jedoch Psychopharmaka totgeschwiegen? Entweder Journalisten und Reporter nutzen die Produkte der Pharmaindustrie selber intensiv, oder es gab neoliberale Order von Oben, die Pharmaindustrie nicht in Misskredit zu bringen, sie also nicht in Zusammenhang mit Amy Winehouse zu erwähnen - also die Korruptheit von Journalisten und Reportern. Ich denke, Amy starb letztlich für ihre Freiheit als Individuum. Wegen ihrer unbedingten Unabhängigkeit wurde sie vom System, in Gestalt der Medien, gejagt und drangsaliert, daran ist der sensible, freiheitliche Mensch Amy Jade Winehouse wohl letztlich zu Grunde gegangen.