Ein Mensch wird krank, und er kann auf zwei unterschiedliche Arten
damit umgehen: Entweder er versucht selbstständig und mit eigenen
Möglichkeiten sein Problem zu lösen, versucht dabei auch neue Wege; oder
er übergibt sein Problem, also sich selbst, gleich dem Fachmann. Sich
quasi graswurzelmässig selbst zu helfen ist demokratisch, sich ohne
eigenes Bemühen sofort einem Fachmann zu überantworten, ist es nicht.
Auch auf der nächsten Stufe gibt es zwei diametral entgegen gesetzte
Wege: Der eine Arzt versucht beim Patient soviel Eigenverantwortung und
Eigeninitiative zu stärken, wie möglich, und nur dort zu assistieren, wo
es für den Patienten nicht anders geht und wo der medizinische Fachmann
einfach einen Vorsprung hat, den er dem Patienten zu Gute kommen lassen
kann. Der andere Arzt macht den Patienten zum Objekt seines Handelns,
so weit es irgend geht, gibt ihm aber gleichzeitig das Gefühl,
souveränes Subjekt empfangener Wohltaten zu sein.
Eine demokratische Medizin verstehe ich somit als eine Medizin, welche die
Unabhängigkeit und die Selbstheilung der Patienten fördert und stärkt. Das
macht aus kranken Menschen keine abhängigen Empfänger elitärer
Wohltaten, sondern souveräne Bürger, und senkt nebenbei die Kosten. Eine
demokratische Medizin heisst nicht, den technischen Fortschritt
abzulehnen - ganz im Gegenteil! Der soll nicht - wie im aktuellen System
- Mittel zum Zweck der Profitmaximierung und der Patientenselektion
sein, also nur dort angewendet werden wo Geld zu holen ist, sondern die
Technik soll allen Patienten zu Gute kommen.
Der Mensch ist im Grunde eigentlich der gleiche geblieben wie vor tausenden
Jahren: Er braucht sauerstoffreiche, saubere Luft zum Atmen, sauberes
Wasser zum Trinken, Proteine, Kohlenhydrate und Vitamine zum Essen, und
noch ein paar andere physische und psychische Dinge für seine Gesundheit,
Leistungsfähigkeit und sein Wohlbefinden. Dazu gibt es ein ebenso tausende
Jahre altes, aus Erfahrung geborenes Wissen der Menschheit.
Eine demokratische Medizin müsste dieses Wissen fachmännisch sammeln
und für Theorie und Praxis allen verfügbar machen - also Fachleute und
Mittel anbieten, zur Anwendung dieses alten Wissens. Und die daraus
resultierenden Kosteneinsparungen müssten allen zu Gute kommen.
Von all dem kann ich aber beim Verein demokratischer Ärtzinnen und Ärzte
auf deren Website nichts erkennen!
Wo ist ein demokratischer Schulterschluss zwischen Ärzten und Patienten zu
erkennen? Ich sehe keinen auf der Website des VDÄÄ.
Wo wird aktiv und erkennbar daran gearbeitet, die positiven Einrichtungen
einer an den Bürgern orientierten sozialen Medizin konkret im Alltag zu
etablieren? Beispielsweise durch Gründung von zentralen
Stadtteilambulanzen, statt unzähligen niedergelassenen Ärzten auf der
einen, und Gross- und Privatkliniken auf der anderen Seite.
Oder, ganz besonders grundlegend und darum wichtig: ein anderes Finanzierungsmodell von Gesundheit, vielleicht nach
norwegischem Vorbild: Ärzte verdienen nicht an kranken Bürgern, sondern
werden unabhängig davon bezahlt, etwa als eine lebenslange
Einkommensgarantie, ähnlich wie im Krankenhaus, jedoch ohne die
negativen Aspekte eines Krankenhausarztdaseins. Dazu vielleicht ein
Bonus-Malus-System nach Bewertungen durch Patienten.
Klar ist doch wohl auch, dass es viele gute, alte, bewährte Methoden von
Diagnose und Therapie gibt, die von modernen Verfahren verdrängt wurden,
jedoch häufig nicht, weil die medizinisch besser sind, sondern weil sie für
Ärzte oder Industrie lukrativer sind oder passender im Sinne einer immer
mehr bevormundenden, also antidemokratischeren Medizin. Solche
altbewährten, natürlicheren Verfahren und Mittel (etwa die Thermografie
um Entzündungen zu entdecken) zu bewahren, zu sammeln und wieder
anzubieten, wäre eine ganz wichtige Aufgabe einer demokratischen
Medizin!
Von all dem sehe ich leider nichts auf der Website des VDÄÄ.
Letzte und aktuelle Beispiele: zum Thema zentrale Speicherung aller
Patientendaten auf Internet-Servern ist nach anfänglichem Protest nun
nicht mehr viel zu hören. Und KrankenhausInfektionen und multiresistente
Keime (MRSA). Ein Riesenthema, offenbar aber nicht für den VDÄÄ. Warum nicht?
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