In meiner ersten Online-Petition geht es quasi um die komplementäre Ergänzung zu Praxisgebühr und kommender Gesundheits eCard.
Ich hatte ausgeführt, dass in einer immer mobileren Gesellschaft es immer häufiger vorkommt, dass Bürger im Krankheitsfall in einer für sie noch fremden Stadt oder einem Stadtteil sich erst einen Arzt suchen müssen. Nicht jeder Bürger hat einen Internetzugang und nur wenige Ärzte präsentieren sich im Internet.
Praktisch sieht es dann wohl häufig so aus, dass man aus den Gelben Seiten oder aus dem Gedächtnis als Fussgänger sich irgend eine Arztpraxis heraussucht - oder über Empfehlung von Kollegen oder Nachbarn.
In der noch unbekannten Praxis angekommen entrichtet man zunächst seine Praxisgebühr und nach mehr oder weniger längerem Aufenthalt im Wartezimmer bekommt man dann erstmals den Arzt / die Ärztin zu Gesicht, was manchmal schon gleich eine herbe Enttäuschung ist. Angeblich entscheidet sich in den ersten paar Sekunden einer Begegnung, ob zwei Leute miteinander können oder nicht. Schlimmstenfalls möchte man als Patient sich von dem Arzt / der Ärztin nicht behandeln lassen und auf dem Absatz kehrt machen, oder man wird vom Arzt / der Ärztin medizinisch schlecht behandelt, weil der/die den Patienten nicht mag. Wenn es etwas besser läuft, lässt man sich die gröbsten Probleme behandelt, will aber kein zweites Mal in diese Praxis. Anonsten hat man eben Glück gehabt.
Wenn man zum Schuster geht, hängt da oft ein gerahmter Meisterbrief an der Wand; bei Ärzten sucht man Informationen über ihren beruflichen Werdegang vergeblich. Das sind rückständige Zustände zum Nachteil von Patienten.
Meine Forderung an die Politik ist darum, die niedergelassenen Ärzte zu verpflichten, im Eingangsbereich ihrer Arztpraxis, mit Hilfe einer Art Info-Terminal, sich in Form eines Videos kurz vorzustellen: Wie alt ist der Arzt / die Ärztin überhaupt, wie sieht er oder sie aus und wie wirkt er oder sie. Warum wurde der Arztberuf gewählt, wo und wann wurde studiert, bei welchem Professor mit welchem Thema den Doktortitel erworben, wo und wann welche Berufspraxis, welche Vorstellungen und Wünsche bezüglich der Patienten und so weiter. Im Internet zieht sich die Jugend seelisch aus, die älteren bewerben sich mit allem Drum und Dran per eMail, Millionen Menschen haben eine eigene Website, aber Ärzte verschanzen sich in ihren Arztpraxen wie in Königsburgen oder Spähbunkern.
Aber Ärzte haben einen öffentlichen Auftrag und grosse Macht, aber verstecken sich hinter einer beruflichen Fassade der Quasi-Anonymität.
Hingegen die Patienten werden immer ausgelieferter und wehrloser: Die Praxisgebühr soll sie am sog. Doktor-Hopping hindern, also Patienten an einen Arzt binden. Aber es wurde nichts dafür getan, die Suche nach dem richtigen Arzt für Patienten ohne Internet zu erleichtern.
Und demnächst soll jede Krankenkassen-Chipkarte ein Patientenfoto enthalten, womit schon bevor der neue Patient aus dem Wartezimmer in den Behandlungsraum kommt, der Arzt weiss wie er oder sie aussieht, wie alt er oder sie ist und welche medizinische Vorgeschichte der Patient / die Patientin hat, wohingegen der Patient / die Patientin nicht das Geringste von der Person weiss, von der er oder sie gleich untersucht und behandelt wird. Das ist absurd und unwürdig!
Mehr Transparenz ist also quasi eine Art Gegengewicht zur Praxisgebühr: Wenn man damit das Doctor-Hopping unterbindet, dann gehört dazu, dass der Arzt, bei dem wir schliesslich bleiben sollen, sich uns vorstellt, BEVOR wir die Gebühr entrichten. Diese Online-Petition wurde abgelehnt und somit nicht online zur Diskussion gestellt.
Meine zweite Online-Petition betrifft direkt die Praxisgebühr. Die gilt bekanntlich immer nur für ein Abrechnungsquartal.
Geht man zu Beginn eines Quartals zum Arzt, gelten die 10 € drei Monate lang; muss man hingegen kurz vor Ende eines Quartals zum Arzt, gelten die 10 € nur ein paar Wochen oder Tage. Das finde ich ungerecht und unsozial. Alle, denen 10 € viel Geld sind, werden sich vermutlich im Falle von Gesundheitsproblemen kurz vor Ablauf eines Quartals überlegen, ob sie nicht noch bis zum Beginn des nächsten Quartals warten. Das ist nicht gesund und kann im Extremfall lebensgefährlich sein. Ich habe darum mit meiner Petition gefordert, die Praxisgebühr immer drei Monate lang gelten zu lassen, egal wann man zum Arzt geht. Die Einteilung in Abrechnungsquartale ist schliesslich willkürlich und darf nicht Massstab für Arztbesuche sein.
Auch diese Online-Petition wurde vom Zuständigen des Deutschenn Bundestags mit zynischen und unsachlichen Begründungen abgelehnt.: Eine Änderung der jetzigen Praktik auf das vorgeschlagene Modell bedeute einen Verwaltungs-Mehraufwand und zudem sei den Patienten nicht zumutbar immer eine Quittung bei sich führen zu müssen, ausserdem hätten sich mitlerweile alle an den jetzigen Zustand gewöhnt.
Angesichts einer solchen dummen, zynischen Begründung habe ich gegen diese Entscheidung Widerspruch eingelegt, mit der Begründung, eine extra Quittung über die gezahlte Praxisgebühr samt Datum sei nicht notwendig, weil solche Daten auf der neuen Gesundheits-eCard gespeichert werden könnten, die für solchen zusätzlichen Speicherbedarf extra konzipiert und für viele Millionen Steuer-Euro eingeführt wird, angeblich zum Vorteil der Patienten.
Schlecht an meinem Einwand ist nur leider, dass ich die neue Gesundheits-eCard strikt ablehne, also sie eigentlich verhindern will. Aber erstens könnten die Verweigerer dann eben eine Papierquittung beanspruchen, aber die Argumente müssen eben vor allem auf der Macher-Seite stimmig sein, und das sind sie nicht.