Hofstetters Befürchtung, die Maschinen könnten unsere Demokratie,
unseren Rechtstaat, unser Menschsein bedrohen, mutet angesichts dessen,
dass es eine solche Fortschrittskritik seit Jahrzehnten, wenn nicht
Jahrhunderten gibt, und somit der Tatsache, dass Demokratie, Rechtstaat
und Menschein nurmehr Fiktionen, Werbeversprechen und Propaganda sind
und nicht wirklich existieren, als biederer Balsam für den Mainstream
an, der noch an diese Dinge glaubt. Dann wurde die Macht des
Maschinensystems mit Gott und der Bibel verglichen, was in unserem
Kulturkreis eine positive Konnotierung ist. Richtiger wäre es gewesen
auch vom Teufel zu sprechen, und einer Hölle, auf die die Menschheit
zugeht. Immerhin hat laut Bibel die Menscheit ihren Anfang im Paradies
genommen, aus dem sie dann durch eigenes Verhalten vertrieben wurde. Da
bleibt für die Menschheit am Ende nur die Hölle. Das wurde aber von
beiden geflissentlich verschwiegen.
Hofstetters Beschreibung,
dass nun erstmals der Mensch selber zum Gegenstand wirtschaftlicher
Optimierungsstrategien geworden sei, erscheint als Geschichts
vergessender Schwachsinn, denn jeder Herrscher hat seine Untertanen und
insbesondere das Militär, nach seinen Effizienzkriterien optimiert. Und
die Neuzeit hat das augenfällig weitergeführt mit der Fliessband- und
Akkordarbeit. Ganze Heerscharen von Experten sind seit langem damit
beschäftigt, den Menschen und seine Arbeitsabläufe zu analysieren und zu
optimieren. Der Fortschritt hat auch die Arbeits-Optimierungs-Experten
mit immer raffinierterer Technologie zur Überwachung und Analyse
ausgestattet, womit die Beobachtung und die Beobachter immer verborgener
und unbemerkter agieren können. Was ist neu? Vielleicht dass der
Mensch, das Individuum als Objekt sich dem nicht mehr entziehen kann,
weil die Seite der Überwacher ein einziger, global vernetzter Organismus
ist, der über raffinierteste Überwachungstechnologie und unermessliche
Reichtümer verfügt. Ein gefrässiger Super-Organismus, ein Raubtier, ein
Alien, wie in zahllosen SciFi-Thrillern beschrieben. Der normale Mensch
ist da wie ein Nacktmull in einer Schlangengrube. All das scheint Yvonne
Hofstetter zu ahnen und will es vielleicht öffentlich sagen, wird aber
von Interviewern in den Leit- und Massenmedien durch raffinierte
Gesprächsführung daran gehindert. So zumindest mein Eindruck, weil oder
trotzdem ich ihr Buch (noch) nicht gelesen habe.