Samstag, 14. März 2015

Hofstetter im Interview ausgetrickst

Hofstetters Befürchtung, die Maschinen könnten unsere Demokratie, unseren Rechtstaat, unser Menschsein bedrohen, mutet angesichts dessen, dass es eine solche Fortschrittskritik seit Jahrzehnten, wenn nicht Jahrhunderten gibt, und somit der Tatsache, dass Demokratie, Rechtstaat und Menschein nurmehr Fiktionen, Werbeversprechen und Propaganda sind und nicht wirklich existieren, als biederer Balsam für den Mainstream an, der noch an diese Dinge glaubt. Dann wurde die Macht des Maschinensystems mit Gott und der Bibel verglichen, was in unserem Kulturkreis eine positive Konnotierung ist. Richtiger wäre es gewesen auch vom Teufel zu sprechen, und einer Hölle, auf die die Menschheit zugeht. Immerhin hat laut Bibel die Menscheit ihren Anfang im Paradies genommen, aus dem sie dann durch eigenes Verhalten vertrieben wurde. Da bleibt für die Menschheit am Ende nur die Hölle. Das wurde aber von beiden geflissentlich verschwiegen.
Hofstetters Beschreibung, dass nun erstmals der Mensch selber zum Gegenstand wirtschaftlicher Optimierungsstrategien geworden sei, erscheint als Geschichts vergessender Schwachsinn, denn jeder Herrscher hat seine Untertanen und insbesondere das Militär, nach seinen Effizienzkriterien optimiert. Und die Neuzeit hat das augenfällig weitergeführt mit der Fliessband- und Akkordarbeit. Ganze Heerscharen von Experten sind seit langem damit beschäftigt, den Menschen und seine Arbeitsabläufe zu analysieren und zu optimieren. Der Fortschritt hat auch die Arbeits-Optimierungs-Experten mit immer raffinierterer Technologie zur Überwachung und Analyse ausgestattet, womit die Beobachtung und die Beobachter immer verborgener und unbemerkter agieren können. Was ist neu? Vielleicht dass der Mensch, das Individuum als Objekt sich dem nicht mehr entziehen kann, weil die Seite der Überwacher ein einziger, global vernetzter Organismus ist, der über raffinierteste Überwachungstechnologie und unermessliche Reichtümer verfügt. Ein gefrässiger Super-Organismus, ein Raubtier, ein Alien, wie in zahllosen SciFi-Thrillern beschrieben. Der normale Mensch ist da wie ein Nacktmull in einer Schlangengrube. All das scheint Yvonne Hofstetter zu ahnen und will es vielleicht öffentlich sagen, wird aber von Interviewern in den Leit- und Massenmedien durch raffinierte Gesprächsführung daran gehindert. So zumindest mein Eindruck, weil oder trotzdem ich ihr Buch (noch) nicht gelesen habe.