Ausgesetzt in der südafrikanischen Steppe, wo Trinkwasser zu bekommen das A und O ist. Survival-Experte Bear Grylls nimmt einen Haufen frischen, feuchten Elefanten-Kot, legt seinen Kopf in den Nacken, presst den Dunghaufen zwischen seinen beiden Händen über seinem Gesicht zusammen und lässt sich die grünlichbraune Pressbrühe in den Mund laufen, schluckt den Saft. Eltern, deren Kinder unbedingt Cola trinken wollen (also alle) und darum langweiliges Mineralwasser ablehnen, könnten mit ihnen zusammen die Serie auf DMAX anschauen. Und sie bräuchten sich dann wohl auch keine Sorge mehr darüber machen, dass ihr Sohn Spinat verweigert. Sie könnten sagen, Baer Grylls muss draussen Brennnesseln essen und freut sich schon auf zu Hause und einen Teller Spinat. Baer Grylls beisst lebenden Fröschen und Schlangen den Kopf ab und isst sie dann roh. Auch kleine Fische schluckt er lebendig herunter. Kindern könnte man so vielleicht wieder Appetit auf richtigen Fisch, statt auf Fischstäbchen machen.
Für ziemlichen "white trash" halte ich die von einigen TV-Überlebenskünstlern demonstrativ praktizierte - vermeintlich natürliche - Gefühllosigkeit, mit der Tier nur noch als Mittel zum eigenen Überleben gesehen werden. Es gibt noch zwei weitere Survivalsendungen bei DMAX, in einer davon zeigt man sich ebenso so wie Grylls vollkommen unsentimental beim Töten von Tieren. Aber ich denke, selbst die natürlichsten Ureinwohner waren nicht so gefühllos wie diese weissen Naturburschen, und hatten ihre Rituale und Tabus bezüglich der Jagd. Man bat die Götter oder die getöteten Tier um Verzeihung und man hat nicht wahllos alles umgebracht und verschlungen, was einem über den Weg lief. Wenn also beispielsweise Baer Grylls versehentlich ein Wildhuhn von dessen Gelege aufscheucht und bedauert, nicht den Vogel erwischt zu haben, sondern sich mit den Eiern begnügen zu müssen, er das Nest leer räumt und nach dem Kochen der Eier feststellt, dass darin schon Küken waren, die er nun isst, dann finde ich, er hätte der Henne wenigstens ein Ei im Nest lassen können, damit die ihrem Brutinstinkt weiter folgen kann. Selbst die unzivilisiertesten Ureinwohner hätten das vielleicht so gemacht. Also wird den Zuschauern eine Härte und Kompromisslosigkeit als Natürlichkeit verkauft, die ich für unwahr und für white trash halte. In Grylls Sendung werden zwar immer gerne eine paar Zitate über die Naturverbundenheit der jeweiligen Ureinwohner gebracht, das soll wohl Respekt vor ihnen dokumentieren, scheint aber nur für die Zuschauer zu sein, nicht für den Hauptakteur.