Dass Frau Mikich sich quasi hat prophylaktisch operieren lassen, ist darum unbegreiflich.
Nicht allein ins Krankenhaus
Meine Oma hatte immer eindringlich davor gewarnt, ins Krankenhaus allein zu gehen. Ich fand das veraltet und übertrieben, dachte in dem heutigen, vermeintlich demokratischen Gesundheitswesen ist das nicht mehr notwendig - bis ich selbst eigene Erfahrungen als Patient machte. Auch Frau Mikich empfiehlt, nicht allein ins Krankenhaus zu gehen. Wie im bösen dunklen Wald, lauern offenbar auch im Krankenhaus böse Geister und böse Menschen. Das sind beängstigende Zustände, wenn Demokratie und Rechtstaat draussen vor dem Krankenhauseingang bleiben müssen.
Tausende Patienten zum Üben
In Gesundheits-Ratgebern hört und liest man oft den Tipp, sich dort operieren zu lassen, wo Ärzte den Eingriff mehrere tausend mal im Jahr durchführen, also in Spezialkliniken, statt in irgendwelchen Feld-, Wald- und Wiesen-Krankenhäusern, wo der Eingriff nur selten durchgeführt wird. Bei dem Tipp wird allerdings stillschweigend unterschlagen, dass die tausende Eingriffe ja alles Patienten sind, an denen quasi geübt wurde. Nach so vielen Operatioen kann vielleicht auch der unfähigste Chirurg halbwegs gut operieren. Wenn man Glück hat, ist man der 1001te Patient, der von der Übung der Ärzte an den vielen Patienten vorher profitiert. Wenn man Pech ist man einer der vielen, an denen noch geübt wird.
Allerdings muss man wohl einräumen, dass in einer Spezialklinik wahrscheinlich die Anforderungen an die Auswahl der Ärzte, für die speziellen Eingriffe, höher sind, als in einem Allgemeinkrankenhaus, wo tendenziell jeder Arzt alles machen können muss. Also die Kompetenz für bestimmte Eingriffe ist in einer Spezialklinik sicher höher.
Dennoch sollte gutes Operieren nicht erst nach zahllosen Übungspatienten erreicht werden.
Falsche Anreize sind keine Entschuldigung für zu häufige oder pfuschige Operationen
Als Entschuldigung, warum zu viele Ärzte zu häufig operieren, also auch unnötige Operationen durchführen, und auch pfuschen, wird gerne das falsche Anreizsystem genannt.
Davon rede ich hier schon seit Jahren: Weil Ärzte nur mit kranken Menschen richtig Geld verdienen können, haben sie keinen finanziellen Anreiz uns nachhaltig gesund zu therapieren. Dennoch ist ein falsches Anreizsystem keine Entschuldigung für pfuschende und unnötig operierende Ärzte. Denn das wäre ja so, als würde ein Vergewaltiger freigesprochen, weil das Opfer durch aufreizende Kleidung quasi den falschen Anreiz geliefert und damit selbst Schuld habe. Oder jemand wird beklaut, weil er so wehrlos aussieht, und vor Gericht wird der Räuber frei gesprochen, weil das Opfer durch seine Wehrlosigkeit die falschen Anreize gesetzt habe.