Mittwoch, 17. Juni 2015

Buchkritik: "Wem gehört die Zukunf", von Jaron Lanier

Ich halte das Buch für Käse bzw Bullshit. Der Autor redet zwar immer wieder vom Erwachsen werden, aber hat selbst einen engen Horizont wie ein Kleinkind im Laufstall: er bringt gezeichnete Diagramme (ab Seite 68) mit einer Aussagekraft etwa wie: Wenn's regnet, wird's nass, und er schreibt auf fast 500 sogar beim Lesen ermüdender Seiten nur über die Mittelschicht und über Netzwerke. Wobei er eine unausgegorene Idee an das nächste Hirngespinnst reiht, dass ich das Buch irgendwann in eine Ecke schmeissen wollte. Weder scheint der Autor eine Ober- und Unterschicht zu kennen, noch eine Welt ausserhalb der USA, Japan und Europa.

Einerseits preist er jene Gefühle, die ihm beim Überschreiten von Grenzen kommen, womit er wohl (auch oder vor allem) die Grenzen der Legalität meint, anderseits betont er strickte Abgrenzungen der Mileus und ist gegen eine Transparenz bei Einkommens- und Vermögensverhältnissen - nach dem Motto: Was die Unterschicht nicht über die Reichen und Mächtigen weiss, das macht sie auch nicht heiss - also Frieden durch Intransparenz und Verdummung.

Er übersieht oder ignoriert dabei, dass die gehobene Mittel- und Oberschicht als Überwachungs-Elite zwar alles über die Menschen der Unter- und unteren Mittelschicht weiss und in Bezug auf deren finanzielle Armut sicher nicht neidisch zu sein braucht, aber es könnte andere Eingenschaften der beobachteten Menschen geben, auf welche die Überwacher neidisch sind - und dann auch die Möglichkeit haben, entsprechend aber heimlich zu intervenieren. Umgekehrt haben die heimlich Überwachten keinerlei Möglichkeit, gezielt Einfluss auf die Überwacher zu nehmen - also eine sehr einseitige Angelegenheit, die der Autor mit seinem Buch verfestigen und von ihr profitieren möchte.

Warum der Autor so viele Dinge anreisst, ohne sie zu Ende zu denken, damit könnte er vielleicht die Strategie verfolgen, unzählige Leser seines Buches auf der ganzen Welt zu provozieren, seine unausgegorenen Ideen weiter zu spinnen oder Alternativen zu entwickeln. Lanier bräuchte dann nach einiger Zeit nur noch nach Stichwörtern aus seinem Buch zu googeln und bekäme dann global zusammengefasst sämtliche Texte präsentiert, die Leser seines Buches verfasst und ins Netz gestellt haben - so wie zB diesen Blogeintrag hier. Die global kostenlos eingesammelten Ideen liest er dann, formuliert sie etwas um und macht daraus ein neues Buch, dass er unter seinem Namen verkauft. Darum will ich über das Buch nicht weiter ins Detail gehen.