Zwei weitere Quell- oder Durchgangsländer für Flüchtlinge sind u.a. Ägypten und Libyen. In Ägypten wurde die Revolution vom Militär wohlwollend begleitet, das zu grossen Teilen von den USA mitfinanziert ist und das grösste in der arabischen Welt ist, der Mubarak-Clan wurde aus der Macht gedrängt, die Muslime ausgebootet, und nun regiert ein Ex-Militär - und damit indirekt auch die USA.
In Libyen wurde der Bürgerkrieg von den USA bzw der NATO mit Bombenangriffen unterstützt, der Gaddafi-Clan weitgehend ermordet, also die Mitwisser der vorherigen Kooperation mit dem Westen für immer zum Schweigen gebracht.
Die West-Medien haben das ganze mit Demokratie-Geschwafel orchestriert, aber was in Libyen seit dem passiert, wie der Westen helfen kann in Libyen eine Demokratie aufzubauen, und wer nun Zugang zu den Ölquellen hat, interessiert unsere angeblich Demokratie bewegten Medien herzlich wenig - zumindest berichten sie kaum darüber.
Kommen Flüchtlinge auch aus der Mitte und dem Süden Afrikas? Viele afrikanische Länder verfügen über reiche Bodenschätze, die aber nur einer Geld- und Macht-Elite zu Gute kommen, die grosse Masse der Bevölkerungen geht leer aus. Warum hilft der Westen nicht, für mehr Gerechtigkeit in diesen Ländern zu sorgen? Vielleicht weil viele West-Firmen als Teilhaber und Mitglieder dieser Ausbeutungs-Oligarchie profitieren.
Auch werden von europäischen und anderen westlichen Industriestaaten die Meere vor den Küsten Afrikas rücksichtslos leer gefischt - darum einheimische Fischer arbeitslos werden und die Bevölkerung hungert - auch Gründe für Flucht nach Europa. Die Überfischung der Meere ist seit vielen Jahren ein Thema in den Medien, aber warum gibt es in Deutschland keinerlei staatliche Initiative die Gründung von Fischfarmen hier oder in Afrika zu fördern?
Seit vielen Jahren engagiert sich China in zahlreichen afrikanischen Staaten. Man kooperiert mit dem Ziel einer Win-Win-Situation. Die Chinesen bauen Bodenschätze ab, schaffen dafür im ganzen Land Infrastruktur, bauen Krankenhäuser und Schulen, installieren Trinkwasserversorgungen, betreiben also quasi eine Art Nation-Building.
Was macht Europa? Es missbraucht Afrika als Müllkippe. Dann zeigen unsere Medien schmutzige Lebensverhältnisse in Afrika, mit der zynischen Suggestion, die Afrikaner hätten kein Hygiene-Bewußtsein. Aber wo europäischer Müll abgeladen wird, kann keine Landwirtschaft betrieben werden, und die sozialen und finanziellen Strukturen werden durch ansteigende Krankheitsfälle überlastet. Alles Gründe für Fluchtversuche nach Europa.
Wer in Deutschland regelmäßig Meldungen und Berichte aus und über Afrika im TV sehen will, der bekommt nichts von ARD und ZDF. Man muss dafür Auslands-TV gucken: Al Jazeera, BBC, CNN, CCTV, France24, und vielleicht noch einige andere. Diese Sender bringen mindestens einmal jede Woche für eine halbe bis eine Stunde lang Berichte und Reportagen nur über Afrika. In der ARD läuft einmal die Woche für eine halbe Stunde der Weltspiegel, wo die Deutschen erfahren, dass sie nicht allein auf dem Globus existieren.
Aber das ZDF sendet sein Hochglanzprogramm angeblicher deutscher Wirklichkeit auch nach Afrika, über den Satelliten Eutelsat. Wer stolz darauf war, dass die deutsche Krimiserie Derrick in der ganzen Welt bekannt war, der darf sich nicht wirklich wundern, wenn gutgläubige Menschen, die noch nicht von der verlogenen westlichen Medien-Kultur verdorben sind, tatsächlich glauben, was deutsche Staatssender von Morgens bis Abends in die Welt hinaus versenden: All die verlogenen Arzt-, Krankenhaus-, Krimiserien und Telenovelas wie Lindenstraße, die ja genau genommen Heile-Welt-Lügen über die Wirklichkeit in diesem Lande verbreiten. Gemacht, um den Deutschen eine heile Welt vorzutäuschen, wirken sie auf Afrikaner wie ein Magnet. Und unsere Medien und wir als Publikum stellen uns doof, unwissend und überrascht. Das ist teuflisch.